Sein kurzes Leben

Daniel kam pünktlich auf den Tag, am 8. Mai 1984, gegen 22 Uhr zur Welt. Pünktlichkeit war in seinem Leben nur eine seiner Tugenden. Er war ein absolutes Wunschkind, unser aller Sonnenschein, neben unserem ersten Sohn Marko. Daniel war immer zufrieden, immer lächelnd, immer fröhlich. Seine kleinen Grübchen in den Wangen verrieten aber auch seinen Schalk im Nacken. Niemand konnte ihm böse sein.

 

Als Baby war er sehr schwer krank, musste für 3 Wochen auf die ITS der damaligen Charite in Erfurt. Dank der Kompetenz eines hervorragenden Kinderchirurgen und der liebevollen Pflege der Schwestern wurde Daniel wieder gesund. Ihm wurde, sozusagen, das Leben ein 2. Mal geschenkt. In der Kinderkrippe musste seine Tante Anneliese die Ersatzmama spielen, und im Kindergarten hat er sich von den Mädels gern verwöhnen lassen. Die Schulzeit war nicht immer ganz einfach. Daniel lernte zwar, aber nie zuviel. Andere Dinge bedeuteten ihm mehr. Jeder zwitschernde Vogel im Baum hat sein Interesse geweckt.

 

Daniel liebte schon immer die Natur und vor allem auch die Tiere. Er kümmerte sich liebevoll um seine Hunde, Zwergkaninchen und Meerschweinchen. Das Elend der Schlachttiere in der Massentierhaltung machte ihn sehr betroffen. So stellte er eines Tages seine Ernährung vollkommen um und wurde Vegetarier. Dabei legte er eine Disziplin an den Tag, die seinesgleichen suchte.

Auch die Musik war seine Welt. Daniel hatte sich dabei nicht festgelegt. Seine CD Sammlung umfasste viele Musikrichtungen und war sehr umfangreich, für jeden war etwas dabei. Die Gitarrenmusik hatte es ihm aber ganz besonders angetan - echte hausgemachte Musik. Er kaufte sich über Nacht eine E-Gitarre und brachte sich das Spielen darauf selbst bei.

 

Seine größte Liebe aber galt seit eh und je allem, was Räder hatte. Anfangs waren es die Baufahrzeuge. Später wurden die Räder kleiner und die Anzahl der Räder an den Fahrzeugen wurden weniger. Beim Anblick eines Motorrades glänzten und leuchteten seine Augen. Er kannte sich aus, wie kein Zweiter und wollte unbedingt Zweiradmechaniker werden. Als es dann auch noch mit einer Ausbildungsstelle zum Zweiradmechaniker klappte, war sein Glück perfekt. Für Daniel war es nicht nur Beruf, sondern Berufung. Das familiäre Verhältnis in der Firma vollendete sein Glück. Deshalb steckte er auch sein ganzes Herzblut in die Arbeit. Einmal sagte er zu mir: "Mutti, von meiner Arbeit hängt Menschenleben ab, wenn ich was falsch mache, kann das für den Kunden den Tod bedeuten." Sein Chef organisierte ab und zu auch mal ein Fahrsicherheitstraining auf der Rennstrecke. Ich, als Mutter, hatte anfangs dabei große Angst, doch Daniel beruhigte mich immer und sagte: "Mutti, auf der Landstraße ist es viel gefährlicher, da gibt es Leitplanken, Bordsteinkanten und Schlafmützen, die nicht aufpassen. Ich hatte zu meinem "Kleinen" vollstes Vertrauen. Er konnte wirklich fahren!

 

Das Wohl seiner Familie ging unserem Sohn über alles. Immer hatte er ein offenes Ohr für die Probleme und Sorgen seiner Mitmenschen, war nicht nur Sohn, sondern auch Kumpel seines Vaters und allerbester Freund seines Bruders. Daniel kannte keine Probleme. Er wusste immer Rat, hat zugehört, konnte sehr in sich gehen aber gleichzeitig alle zum Lachen bringen. Seine Späße werden wir nie vergessen. Es ist so still im Haus geworden.

 

Nur für kurze Zeit durfte Daniel noch erfahren, wie es ist, ein Mädchen von Herzen zu lieben. Johanna ist das Mädchen, das alles mit ihm geteilt hat: seine große Liebe zu Motorrädern, Tieren und zur Musik, sie ist spontan und begeisterungsfähig, fröhlich, liebenswert und vor allem ganz unkompliziert und hübsch außerdem. Wir kannten Johanna bis zu Daniel's Unfall kaum. Sie besucht uns heute immer noch, es hat sich eine wunderbare Freundschaft entwickelt.